Zivilitätstheorie (Überblick)

Zusammenfassung


  1. Die Zivilitätstheorie orientiert sich an einem ausgewiesenen Kriterium:  gegenseitigem Respekt, aus dem Freiheit und Verantwortungsbewusstsein erwachsen (Zivilität).
  2. Zivilität kann in unterschiedlichem Maß gegeben sein: Sie kann fehlen (bei herrschender Freund-/Feind-Logik/Krieg); sie kann gering sein (bei herrschender Machtlogik/vertikaler Herrschaft); sie kann offen sein (bei ungebunden herrschender Interessenlogik/horizontaler Koordination); sie kann durch zweidimensionale Koordination gesichert sein (bei gemeinsam anerkannten fairen Regeln) oder sich entfalten (in mehrdimensionaler Koordination).
  3. Je höher das herrschende Zivilitätsniveau, desto bessere Wohlfahrtschancen bestehen für die jeweilige Gesamtheit (Allgemeine Wohlfahrtsfunktion der Zivilität).
  4. Akteure mit zivilen Grundwerten haben sich jeweiligen Situationen mehr oder minder hoher Zivilität zu stellen. Wie sie dies realistisch und wertgebunden tun können, ist Gegenstand der Zivilitätsethik.
  5. Interaktionsprozesse jeder Art lassen sich zivilitätstheoretisch verstehen und überprüfbar analysieren - womit die Zivilitätstheorie zu einem Analysewerkzeug besonders hohen empirischen Gehalts wird.
  6. Damit ergeben sich die Konzepte der vergleichenden Zivilitätsanalyse und der Zivilitätsgeschichte.
  7. Die Zivilitätstheorie hat sich seit ihrer ersten Präsentation (2018) ständig weiterentwickelt. Allgemein nutzbare Begriffe, Typologien und Modelle sind Inhalt der Allgemeinen Zivilitätstheorie (aktuell AZT 2026,2), Aussagen zu besonderen Gesellschaftsbereichen wie Recht, Staat, Politik und Wirtschaft sowie zu besonderen Handlungsformen wie öffentlichem Handeln oder Korruption Inhalt besonderer Zivilitätstheorien (aktuell BZT 2026).
  8. Die Zivilitätstheorie ist aus der integralen Verarbeitung herkömmlicher Denkansätze entstanden, darunter der Rationalen Wahlhandlungs-, insbesondere Spieltheorie, Neoinstitutionalismus, Konstruktivismus (Framing-Ansatz), Arbeiten von Karl Popper, Norbert Elias, Johan Huizinga und Paul Watzlawick sowie der neueren Policy- und Governanceanalyse. Sie kommt aber zu eigenständigen Aussagen vor allem durch die Differenzierung zwischen ein- und mehrdimensionalen Interaktionsformen sowie durch ihren Anspruch, universell überprüfbare quantitative Aussagen zu interaktivem Denken und Handeln zu produzieren.
  9. Alle aktuellen sowie ausgewählte frühere Texte zur Zivilitätstheorie erreichen Sie auf der Website der Civility gUG (Theorieüberblick) mit einem Klick - siehe hier die Buttons rechts oben. Weiterhin gibt es Videos zu einzelnen Begriffen sowie Diskussionsmöglichkeiten.     


Victoria V. Lauritsen



Die aggressive Opferrolle

Akteure versuchen manchmal, in einer Opferrolle aggressiv Machtansprüche durchzusetzen.