Rechts- und Linkspopulismus
Zivilitätstheoretisch lässt sich Populismus, anders als nach gängigen Kriterien wie "Elitenkritik" und "Rechtspopulismus", systematisch verstehen. Demnach denken Populisten einseitig (unilateral in der Logik des Eigeninteresses, der Macht- und der Freund-/Feind-Logik; zwei- und mehrdimensionaler (multilateraler) Koordination dagegen stehen sie distanziert gegenüber oder lehnen diese ab. Dementsprechend favorisieren sie autokratische Denk- und Handlungsformen und tun sich schwer mit sach- und menschheitspolitischen Anforderungen jenseits ihrer unilateralistischen Denkmuster.

Dabei unterscheiden sich Rechts- und Linkspopulisten in ihrer Haltung zu Gleichstellung: Während Rechtspopulisten Ungleichheit rechtfertigen oder sogar überhöhen, orientieren sich Linke am Leitwert der Gleichheit. Rechts- wie Linkspopulisten denken allerdings borniert machtlogisch, womit ihnen rechtsstaatliche Demokratie nicht viel bedeutet oder sie diese sogar ablehnen. Dementsprechend schwanken sie zwischen gegenseitigen Anfeindungen (als Linke oder Rechte) und stillen Bündnissen gegen Demokratie beziehungsweise für Autokratie.
So bedeutsam Kämpfe zwischen Rechts und Links politisch auch sein mögen - sie ersetzen nicht das gemeinsame Engagement für Demokratie und Rechtsstaat.